Das Führhundhalterseminar von Kathi, bei dem auch wie immer Ron und ihr Sohn Max dabei waren, fand in diesem Jahr wieder im Hotelpark Stadtbrauerei in Arnstadt statt.

Im Laufe des Freitagnachmittags reisten alle teilnehmenden Führhundhalter und die Patenfamilie einiger Hunde aus allen Ecken Deutschlands an. Eingeladen waren auch angehende Führhundhalter.

Die Eröffnung des Seminars begann um 16.00 Uhr im Hotel mit Begrüßung und Vorstellung aller Teilnehmer. Danach begaben wir uns alle auf eine kleine Wanderung zum Hopfengrund / Walpurgiskloster, die uns und den Hunden viel Spaß machte. Nach Rückkehr von der Wanderung trafen wir uns gegen 18.00 Uhr zum Abendessen. Um ca. 19.30 Uhr kam Tierarzt Joachim Eichner, der diesmal den Abend etwas anders gestaltete, indem er uns anbot, ihm Fragen über unsere Hunde zu stellen, die er uns beantwortete. Etwa gegen 21.00 Uhr verabschiedeten wir Herrn Eichner und trafen uns alle im Biergarten wieder, wo wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.

Am Samstag nach dem Frühstück begaben wir uns zur Bushaltestelle für den Schienenersatzverkehr nach Ilmenau, wo unsere Wanderung zum Restaurant / Ausflugslokal „Zur Schortemühle“ begann. Dort angekommen, bekamen unsere Hunde den wohlverdienten Freilauf, bevor es zum Mittagessen ging. Nach einer kurzen Pause hatte Ron eine Fahrt in den dazu gehörigen Stollen organisiert. Gegen 16.00 Uhr liefen wir nach Ilmenau zurück, wo wir mit dem Bus nach Arnstadt zurückfuhren. 19.00 Uhr gab es dann Abendessen, welches wir uns redlich verdient hatten. Danach saßen wir gemütlich beisammen.

Nach dem Frühstück am Sonntag war das Gehorsamstraining im Stadtpark von Arnstadt vorgesehen. Man konnte sehen, dass die Hunde eine enge Beziehung zu ihren Führhundhaltern aufgebaut haben und auch fast immer aufs Wort gehorchten. Zurück im Hotel haben wir noch einmal zusammen Mittag gegessen bevor alle die Heimreise antraten.

Wir bedanken uns für ein gelungenes Führhundhalterseminar und freuen uns auf das nächste Jahr mit Kathi, Ron und Max.

Clickerseminar mit Referenten und Kollegen der US-amerikanischen Blindenführhundschule „Guiding Eyes for the Blind“, New York, im August 2017

 

Unser Berufsverband „Deutsche Blindenführhundschulen e.V.“ führte vom 02. – 04.08.2017 in Berlin im Rahmen der beruflichen Weiterbildung seiner Mitglieder ein Seminar zum Clickertraining durch.

Die Referenten Michelle Tang und Ben Cawley von der New Yorker Blindenführhundschule "Guiding Eyes fort he Blind" arbeiteten mit uns intensiv am Training mit dem Clicker - einer modernen und tiergerechten Ausbildungsmethode im Blindenführhundtraining.

Für unsere Blindenführhundschule war es bereits das zweite Seminar im Clickertraining mit Ben. Wir trainieren seit einigen Jahren mit dieser Ausbildungsmethode, bei der unsere Hunde freudig lernen.

Den Clicker können wir auch in der Zusammenarbeit von Führhundhalter und Führhund einsetzen.

Alle teilnehmenden Kollegen hatten viel Freude daran, zusammen zu trainieren und Erfahrungen auszutauschen.

Es herrschte ein sehr angenehmes Klima der Zusammenarbeit und gegenseitigen Wertschätzung zwischen den deutschen und amerikanischen Kollegen. 

Das Seminar fand im Rahmen der Zusammenarbeit der „International Guide Dog Federation“ statt. Wir danken der Blindenführhundschule „Guiding Eyes for the Blind“, Michelle und Ben und besonders Kathy Zubricky,  Vice President of Training Programs, dafür, dass sie dieses Seminar möglich gemacht haben.

 

Heiligenstadt (Eichsfeld). Und plötzlich ist alles dunkel. Rabenschwarz. Ich sehe nichts mehr. Still und verlassen stehe ich auf einem Fußgängerweg. Fast starr. Ich spüre den warmen Atem des Hundes.

Sarah, wie die Golden-Retriever-Dame heißt, steht neben mir. Mit ihrer nassen Nasen duzt sie meine Hand an. Beim ersten Mal zucke ich erschrocken zusammen. Ich besinne mich. Versuche entspannt zu sein. Sie leckt meine Hand ab. Anscheinend ist das eine kleine Kennlernzeremonie ihrerseits. Jetzt spüre ich nichts mehr. Sie scheint geduldig auf einen Befehl zu warten. Denn wir stehen auf einem Bürgersteig in Heiligenstadt. Vermutlich bewegt sie ihren Kopf, denn mal spüre ich den Atem sehr intensiv, dann wieder kaum.

Hans-Reinhard Hupe greift nach meiner Hand. Vorsichtig und behutsam tastet er sie ab. Der seit 1990 erblindete Eichsfelder legt mir die Leine von Sarah in die Hand. Diese fest um das Handgelenk gewickelt, legt mir Hans-Reinhard Hupe noch den Bügel des Geschirrs in die Hand. Er fasst mit an. Schließlich ist Hans-Reinhard Hupe wirklich auf die Hilfe und Unterstützung des Hundes angewiesen. Ich tauche nur für einen kurzen Moment in seine Welt ein. Denn der Blinden- und Sehbehindertenverband Eichsfeld hatte mich im Rahmen meiner Serie dazu eingeladen, einmal zu testen, wie es ist, wenn ich plötzlich nichts mehr sehe. Bereitwillig stimmte ich zu.

Nebengeräusche werden kaum wahrgenommen

Angespannt stehe ich nun neben Hündin Sarah. Ich weiß nicht so recht, was ich machen soll. Ich bin verunsichert. Hans-Reinhard Hupe gibt die Befehle. „Sarah, geh.“ „Sarah, such den Weg.“ Wir setzen uns langsam mit ihr in Bewegung. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen. Ich habe Angst, dem Hund auf die Pfötchen zu treten. Ich solle ruhig rechts neben der Hündin laufen. Durch die Anspannung gehe ich ganz nah neben Sarah. Ab und an streifen meine Fingerspitzen den Rücken des Tieres. Sie ist bei mir. 

Richtig beruhigt bin ich allerdings nicht. Denn nach wie vor spüre ich meine Unsicherheit. Ich weiß nicht, wo ich hin gehe, was sich vor mir ereignet. Eigentlich müsste ich auf Nebengeräusche achten. Aber in dem Moment fällt es mir sehr schwer. Denn das Unbehagen hat mich fest im Griff. Ich vertraue jetzt einem fremden Menschen und einem Hund. Beide sehe ich zum ersten Mal. Und plötzlich kommt mir der Gedanke, was wäre, wenn das für immer so bleiben würde. Ich bekomme Herzklopfen.

Hans-Reinhard Hupe scheint meine Anspannung zu spüren. Denn vorsichtig schiebt er mich an. Ich solle ruhig weiter gehen, der Hund würde uns führen. „Und wenn der Weg wirklich zu eng ist, dann gehen wir hinter ihr“, sagt er. Das würde er im Alltag auch so machen. Ansonsten würde er, wie ich, rechts neben der Hündin laufen.

Hans-Reinhard Hupe wiederholt seinen Befehl: „Sarah, such den Weg.“ Anscheinend blickt sich die Hündin nach ihrem Herrchen um. Denn ich spüre ihren Kopf an meinem Bein. Zwischenzeitlich bleibt das Tier auch stehen. Für Sarah scheint die Situation auch nicht einfach. Schließlich führt sie seit anderthalb Jahren Hans-Reinhard Hupe. „Wir hatten damals zwei Wochen, um uns aneinander zu gewöhnen, dann musste ich eine Gespannprüfung ablegen.“ Diese sei notwendig, um als Gespann im Straßenverkehr erfolgreich zu bestehen.

„Bitte nicht streicheln. Ich arbeite.“

Nach einem kleinen Stück Weg machen wir kehrt. Hans-Reinhard Hupe gibt den entsprechenden Befehl. Instinktiv drehe ich mich rechts herum. Es ist richtig. Langsam schreiten wir zurück. Verlegen und unbeholfen greife ich mit meiner freien Hand nach der Hauswand. Ich suche eine Orientierung. Dabei schneide ich mir leicht oberflächlich in die Hand. An der Haustür angekommen, bleiben wir stehen. Ich bin erleichtert. Denn ich darf die Augenbinde abnehmen. Taghelles Licht knallt mir regelrecht in die Augen.

Ich stutze kurz, muss mich orientieren. Ich bedanke mich bei Hans-Reinhard Hupeund bei Sarah. Streichle die Hündin. Ihr Herrchen erklärt: „Wenn sie das Geschirr trägt, dann bitte nicht streicheln.“ Jetzt lese ich auch den Slogan: „Bitte nicht streicheln. Ich arbeite.“ Natürlich. Sofort lasse ich von ihr ab. Hans-Reinhard Hupenimmt ihr das Geschirr ab, so dass sich das Tier die verdienten Streicheleinheiten abholen kann. Natürlich am liebsten von ihrem Herrchen.

Fazit: Ein klassisches Fazit ziehe ich nicht. Ich habe mich dieser Herausforderung gestellt und die Schwierigkeiten am eigenen Leib erfahren. Ich kann und möchte mir nicht anmaßen, über das Leben ohne Augenlicht zu urteilen.

Thüringer Allgemeine vom 24.08.2017

 

Nah dran: Einer der von Familie Harlaux in Hohenleuben aufgezogenen Welpen ist jetzt in der Blindenführhundschule in Arnstadt und soll bald mit seiner Ausbildung beginnen.

Hohenleuben. „Es wird Tränen geben“, ist Elke Harlaux überzeugt. Sie und ihre Familie haben sich in dieser Woche von Kando verabschiedet, der seine Kindheit in Hohenleuben verbracht hat. Elke und Andreas Harlaux ziehen Hunde groß, die später zu Blindenführern ausgebildet werden sollen. Damit sie vor der harten Arbeit eine unbeschwerte Kindheit erleben können, engagieren sich die Hohenleubener ehrenamtlich.

 

Labrador-Rüde Kando läuft aufgeregt durchs Haus und in den Garten, die Golden-Retriever-Hündin Kimba ebenfalls. „Sie spüren, dass heute etwas passieren wird. Kimba wird ihn sehr vermissen und er sie erst recht“, sagt Elke Harlaux, die amüsiert erzählt, wie die beiden Jung-Hunde miteinander gespielt und gebalgt haben und wie sie eine Angewohnheit der Haus-Hündin Zoe – das Pfötchengeben – nachmachen.

 

Ernst des Lebens beginnt

Auch die Söhne von Elke und Andreas Harlaux waren gekommen, um sich von Kando zu verabschieden. „Er ist uns allen ans Herz gewachsen“, sagt Elke Harlaux. Kando ist an diesem Tag besonders verschmust, sucht ständig den Kontakt zu der Familie, deren Teil er in den letzten Monaten geworden ist. Dann klingelt es an der Tür und das tierische Begrüßungskommando stürmt die Treppen hinunter.

 

Katharina Richter aus Arnstadt steht vor der Tür. Sie bildet Blindenführhunde aus, vielleicht auch Kimba und Kando. Während die Hündin noch eine Weile in Hohenleuben bleiben kann, geht für Kando der Ernst seines Lebens los. „Zunächst einmal überprüfen wir sein Wesen, testen, ob er als Blindenführhund geeignet ist“, sagt Richter. Der Rüde muss in der Stadt an der Leine laufen und dabei entspannt bleiben, seine Reizschwelle muss hoch sein, er darf keine Angst vor Unbekannten haben und er muss mit bislang fremden Dingen umgehen können. „Mit Skulpturen, die irgendwo aufgestellt sind beispielsweise“, sagt die Arnstädterin. Die Liste der Eigenschaften, die ein Blindenführhund mitbringen muss, ist noch länger: lernfähig, arbeitswillig, belastbar, kinderfreundlich, wenig geräuschempfindlich, stressfrei inmitten von Menschenansammlungen sowie in Einkaufszentren und anderen Hunden gegenüber freundlich.

 

Kontakt zu Zöglingen bleibt bestehen

Wenn ein Hund über all diese Eigenschaften verfügt, kann mit der Ausbildung begonnen werden. Für das Tier gelten dann klare Regeln: Wenn das Führgeschirr angelegt ist, heißt das: Arbeit. Am Tag sollte er zwei Stunden am Stück führen könnten. Die Kosten für die Ausbildung werden von den Krankenkassen übernommen, „Blindenführhunde sind das einzige lebendige Hilfsmittel“, weiß Richter.

 

Hat der Hund das Geschirr nicht um, dann ist Freizeit angesagt. „Das Spiel mit Artgenossen ist ganz wichtig. Der Blindenführhund soll Spaß haben wie jeder andere Hund auch“, betont Katharina Richter.

 

In einer Großstadt kann ein Blindenführhund bis zum zehnten oder elften Lebensjahr arbeiten, dann sollte er in Rente geschickt werden. Entweder bleibt er dann in der Familie des Blinden oder aber er wird von einer Pflegefamilie aufgenommen und darf dort seinen Lebensabend verbringen.

 

Obwohl Familie Harlaux der Abschied von Kando und bald auch von Kimba schwerfällt, freuen sie sich, weil sie die Tiere nicht aus den Augen verlieren werden. „Bislang haben wir zu allen Hunden Kontakt, die wir hier aufgezogen haben“, erzählt Elke Harlaux, die davon ausgeht, dass das bei den beiden aktuellen Zöglingen ebenfalls so sein wird.

 

Es gibt sogar regelmäßig Treffen von Blinden mit ihren Hunden und denen, die sie aufgezogen und ausgebildet haben. Die Hohenleubener wollen auch weiterhin die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, künftigen Blindenführhunden eine glückliche und unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen.

 

Katja Grieser / 27.02.16